Donnerstag, 11. Mai 2017

Angekommen....

Oh Gott! Wieder so eine Frau. Kaum ist sie Mutter geworden schreibt sie was vom Sinn des Lebens oder vollständig zu sein oder blablabla.... .

Jepp, könnte ich :-D. Mache ich aber nicht. Vielleicht trifft "angekommen" gar nicht das, worauf ich hinaus will. Das ich glücklich bin, also so wirklich, schrieb ich ja schon mal. Worauf ich aber hinaus will ist folgendes:

Anfang 20 hatte ich einen Freund. Es war klar, wir bekommen Kinder (oder nur eins? Ich weiß es nicht mehr). Mit 27 wollte ich Mutter sein. Ich wollte schnell wieder arbeiten gehen und Karriere machen. Ich hatte diese Vorstellung von mir, dass ich mit Kostümchen, hohen Hacken, einer feschen blonden Kurzhaar Frisur, einem Coffee-to go Becher und meinem Blackberry jongliere und Termine koordiniere. Morgens das Kind in die Kita bringe und dann in Windeseile ins Büro sause, weil ich ja so richtig wichtig bin. Natürlich gehörte zu dieser Vorstellung auch eine loftartige Wohnung und ein schickes Auto. Ist klar, oder?

Der Freund ging, ein anderer kam. Dieser sagte mir nun, dass er mit MIR schon mal keine Kinder haben möchte, denn ich würde eine schlimme Mutter werden. Ich glaubte es. Führte dazu, dass ich in meiner Vorstellung zwar immer noch auf hohen Hacken rumlief, aber ich hatte keine Kinder mehr an der Hand.

Dieser Freund ging dann auch und es folgte lange Zeit keiner. Ich versuchte weiterhin auf hohen Hacken meinem Idealbild von mir nachzueifern. Sehr lange. Dieses Bild hatte sich so unglaublich tief in mein Hirn gegraben.

Nun denn. Es trat der Mann in mein Leben. An meinem 30 Geburtstag hat er mir gesagt, dass er sich in mich verliebt hat. Ab da begann sich mein Leben schleichend zu ändern. Aus den blonden kurzen Haaren wurde lange braune. Oder dunkelblond. Ich bin mir nicht sicher, was die Farbe angeht. Ich weiß nur, dass sie seit geraumer Zeit grau werden. Pfffff. Die hohen Hacken wichen sehr schnell flachen Schuhen. Das Kostüm gab es nie, aber schicke war ich irgendwie. Dann wurde die Jeans und ein T-Shirt zu meinem "Kostüm". Selbst diese Veränderungen sind so schleichend passiert, dass es mir nicht auffiel. Besagte Karriere gab es zwar nie, aber der Druck, den ich mir selbst machte, genau diese zu erreichen.

Als ich schwanger wurde, war ich davon überzeugt wieder Vollzeit arbeiten zu gehen. Auch sollte der Papa so viele Monate zu Hause bleiben, wie es nur geht. Ich wollte schnell wieder an besagter Karriere basteln. Auch die Geburt und die ersten Monate änderten noch nichts an diesem Gedanken. Bis ich dann am 07.03. (ich merke mir sowas komischerweise immer) spazieren ging. Ich hatte gerade der Firma bestätigt, dass ich Vollzeit wieder komme. Aber irgendwas stimmte nicht. Ich fühlte mich unwohl. Und während ich so vor mich hin grübelte (ich hoffe immer, dass ich dabei keine Selbstgespräche führe), wurde mir klar, dass ich wirklich jahrelang etwas versuchte zu erreichen, was mich gar nicht glücklich macht. Was ich gar nicht bin. Ich bin nicht die Business Frau, die es schafft Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Ich bin nicht diejenige, die mit Kaffeebecher in der einen Hand und (mittlerweile) iPhone in der anderen versucht Termine zu koordinieren. Die im Büro am besten noch eine Führungsposition hat. Das bin ich alles nicht.

Ich bin Toffi, die zukünftig mit ihrem Kaffeebecher zur Firma geht und einfach arbeitet. Die um 12:00 Feierabend machen, wird um ihre Tochter aus der Kita abzuholen. Die sich nicht umziehen muss, wenn sie dann auf den Spielplatz geht, weil sie eh Jeans und T-Shirt anhaben wird. Die nicht mehr verbissen versucht irgendwas zu erzwingen, was sie gar nicht ist.

Das ganze hört sich wirklich bizarr an. Wie kann man so lange nicht merken, dass man nicht derjenige  ist, der man versucht zu sein? Wieso denkt man, dass man unbedingt Karriere machen muss? Spätestens wenn es Job mäßig so hin und her geht, wie bei mir, könnte man ja drauf kommen, dass da irgendwas schief läuft. Aber nein. Ich hatte so eine feste Vorstellung von mir, wie ich zu sein habe, dass ich nicht drauf kam.

Die Firma hatte nun "nur" einen Halbtagsjob für mich. Einen wirklich, wirklich guten. Nach nur 3 Wochen suchen. Was hat man in dieser Firma schon alles gesucht für mich. Es hat immer ewig gedauert. Und nun so schnell? Ich hatte Tränen in den Augen, als man mich anrief. Es war, als fiele ein großer Stein von meinen Schultern.

Ich weiß nicht, was in 2 Jahren ist. Ich weiß auch nicht, was in 10 Jahren ist. Hey, vielleicht passen mir Kostümchen irgendwann. Jetzt gerade sind sie viel zu eng für mich.

1 Kommentar:

  1. Meine liebe Toffi, nach langer Zeit habe ich mich mal wieder bei bloglovin eingeloggt und Deinen Blog gelesen...bei insta "sehen" wir uns ja *gg* (cocolottchen). Meine beiden Mäuse sind nun mittlerweile 23 und 15 Jahre alt und ich möchte Dir nur sagen...Du machst alles richtig und richtig gut, wenn es sich für Dich gut anfühlt. Und Du bist so liebevoll in Deinen Beiträgen. Ganz liebe Grüße Christine

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