Freitag, 26. Mai 2017

Bindung

Es gibt nichts, worüber ich mir mehr Gedanken mache, als die Bindung meiner Tochter zu mir. Es sind nicht nur Gedanken, ich habe regelrecht Angst, dass sie sich nicht an mich Gebunden fühlt. Dass sie mich nicht mag.

Diese Angst hatte ich von Anfang an. Darum wollte ich alles richtig machen. Wenn ich schon nicht stille, dann muss ich in allen anderen Punkten, die eine sichere Bindung versprechen, mehr als alles geben.
Ich muss ihre Signale sofort erkennen. Ich darf sie nicht schreien lassen. Sie muss bei mir mit im Bett schlafen. Ich muss sie ganz viel tragen. So der Plan.

Und dann passierte es. Alle anderen Babys aus dem Delfi Kurs weinen, wenn die Mama mal auf Toilette geht, außer meinem. Sie guckt mich mit ihren großen Kulleraugen an, wenn ich sage, wohin ich gehe und dass ich gleich wieder da bin und dreht sich um und spielt weiter. Wenn ich wieder da bin, guckt sie kurz, was sich da bewegt, aber beeindruckt ist sie nicht. Von Freude keine Spur. Wenn der Papa abends von der Arbeit kommt, wird über beide Backen gestrahlt und mit den Armen gewedelt. Bei mir wird zumindest gelächelt. Allerdings bin ich auch nicht den ganzen Tag weg.
Habe ich etwas falsch gemacht? Oder ist es noch zu früh? Oder wird sie sowieso ein Papakind und ich bin nur Familienbeiwerk?

Ich fing an, über die Punkte nachzudenken. Habe ich immer auf ihre Signale richtig reagiert? Definitiv nicht. Noch heute, nach 8 Monaten, ist es für mich schwer zwischen Hunger und Müdigkeit zu unterscheiden. Langeweile erkenne ich auch selten, da sie sich recht gut selbst beschäftigen kann. Sie hängt dann meist Kopfüber in ihrer Spielekiste und kramt sich was raus. Oder halt alles. Sie schafft es auch, den Inhalt dann im Wohnzimmer zu verteilen, obwohl sie ja noch gar nicht krabbeln kann. Aber braucht sie mich zum spielen? Ich sitze mittlerweile gar nicht mehr so oft neben ihr auf der Decke. Eine zeitlang habe ich ja darauf gelebt. Erkenne ich also ihre Signale? Ich fühle mich nicht so. Ich würde sie gerne fragen, aber ihre Antwort wäre nur ein verwirrter Blick.

Schreien lassen habe ich sie auch. Genau 3 Mal. Ich musste den Raum verlassen, weil ich einfach nicht mehr konnte. War es das? Hat sie mir das übel genommen? Ja, ich habe sehr energisch gesagt, sie soll doch bitte endlich ruhig sein. Ich konnte nicht mehr. Das erste Mal war sie noch so klein. Sie hatte gerade getrunken und war eingeschlummert. Dann wurde sie wach und schrie und schrie. Kein Schuckeln, kein Tragen, nix half. Ich muss sie ablegen. Ich weinte, sie weinte und am Ende hatte sie einfach nur noch mehr Hunger. Mein kleines Baby hat damals Mengen getrunken, mit denen ich einfach nicht gerechnet hatte. Ein zweites Mal, ich erinnere mich nur dunkel. Kaum war der Papa da, war sie ruhig. Ich saß ich Bad und mir liefen die Tränen. Ich hatte wieder etwas falsch gemacht. Ein drittes Mal war es Müdigkeit. Sie weinte so bitterlich. Also wollte ich mit ihr raus, weil im Kinderwagen schlief sie immer ein. Aber soweit kam ich nicht. Es endete damit, dass ich mit ihr weinend im Flur saß, den Papa anrief und er sofort nach Hause kommen muss. Am Ende schlief sie auf meinem Arm ein und ich lies sie nicht mehr los. Es tat mir so furchtbar leid. Es ist mittlerweile natürlich einfacher. Sie schläft, wenn sie müde ist, zuverlässig in ihrer Nonomo oder im Kinderwagen.

Nachts schläft sie bei uns. Aber, und ich glaube, dass werde ich immer bedauern, es gab eine Zeit, da wurde ich ausquartiert. Zu recht. Ich habe die Tage nicht durchgestanden. Ich habe nachts nämlich gar nicht mehr geschlafen. Ich war immer vor meinem Baby wach und habe auf ihren Hunger gewartet und danach schlief ich auch erstmal nicht. Wenn ich überhaupt wieder schlief, dann war das kurz vor der nächsten Flasche. Somit hat der Papa in dieser Zeit beim Kind geschlafen und sich nachts um sie gekümmert. Das war noch letztes Jahr. Als sie noch ganz klein war. Da war ich nachts nicht bei ihr. Ich habe die Nächte geopfert, damit ich tagsüber fit bin. War das ein Fehler?

Und dann das Thema, was mich extrem beschäftigt. Tragen. Wie oft ich gelesen habe, dass viele ja NUR tragen. Gar keinen Kinderwagen haben. Und das das ja auch so wichtig für die Bindung ist. Ich fühlte mich wieder schlecht. Ich trage. Oh ja. Anfangs, aufgrund der Verletzungen noch nicht so viel, im Tuch. Dann mehr. Sie schlief eine Zeitlang auch nur dort ein. Das war im Dezember bzw auch noch im Januar. Dann stiegen wir um auf die Manduca. Ich hatte sie jeden Tag dort drin und habe mindestens mit ihr die Wohnung gesaugt, aber meist nich viel mehr. Meist schlief sie ein. Heute mag sie das gar nicht mehr. Hausputz ist langweilig. Es gab sogar eine kurze Zeit, da mochte sie gar nicht getragen werden. Das war richtig schlimm für mich. Mittlerweile geht es aber wieder gut, auch wenn es nicht mehr jeden Tag ist. Sie möchte zu Hause lieber spielen und wenn wir spazieren gehen, dann bin ich meist mit dem Kinderwagen unterwegs. Ist das falsch? Ich war vor kurzem bei einer Trageberatung und sie erzählte, dass sie ihren Sohn NUR getragen hat. Er hasste den Kinderwagen. Ich habe seitdem geguckt, wie viele km ich so mit dem Kinderwagen gehe. Es sind meist so 8-10. Der Rekord lag bei 12,5km. Könnte ich das Tragen? Das schlimme ist, wir wohnen an einem Berg. Das ist mit Kinderwagen schon eine Herausforderung. Aber wenn ich das Kind nun 2h-4h getragen hätte und dann den Berg hier hoch? Ich klappe schon beim Gedanken zusammen. Was ich nun aber mache, ich nehme die Trage mit. Wenn sie mal nicht im Kinderwagen einschläft, trage ich sie ein Stück, wenn sie mag. Ok, meist mache ich das momentan auf der Hüfte, da der kleine Knödel den Kinderwagen gerne schieben mag, aber immerhin. Zum Einkaufen fahren wir auch zusammen. Sie dann in der Trage. Zumindest bis sie dann irgendwann im Wagen sitzen wird. ABER war das zu wenig? Habe ich sie zu wenig getragen?

Jetzt versuche ich seit 10 Minuten eine Überleitung zum nächsten Thema zu finden, aber so richtig gelingt es mir nicht.

Mir geht es gerade nicht so gut. Ich erkenne, dass ich wirklich die schönste Zeit in meinem Leben habe. Ich habe vor 8 Monaten das süßeste Baby bekommen, was ich mir vorstellen konnte. Wir haben ganz viel gekuschelt und auf dem Sofa gelegen. Damals konnte ich das noch nicht richtig würdigen, denn ich wollte mein Baby doch der ganzen Welt zeigen. Ich wollte sie im Kinderwagen durch die Gegend juckeln und Tragen ohne Schmerzen. Aber durch die Geburtsverletzungen war ich zum Liegen gezwungen. Heute bin ich froh darum. Ich habe nicht gestillt, aber ich habe anfangs jede Flasche mit viel kuscheln und erzählen verbunden. Wir haben uns ganz tief in die Augen geschaut, bis sie dann schlief. Heute schaut sie mich meist gar nicht mehr an.

Selbst die Zeit in der ich nur gefangen unter schlafendem Kind war, empfinde ich heute als das Beste überhaupt. Damals war ich meist genervt, weil ich ständig hungrig war, nix zu trinken hatte oder aufs Klo musste. Zum Schluss war ich allerdings sehr wohl in der Lage mit schlafendem Kind auf dem Arm, die Toilette zu besuchen. Yeeeaaahh. Naja auch diese Zeit ist vorbei. Ich hätte mehr Bücher lesen sollen.
Sie schläft nicht mehr einfach so auf meinem Arm ein. Nach dieser Zeit kam aber die Zeit mit anderen Babys und anderen Mamas und MiniToffi ist so viel aktiver geworden. Sie liebt andere Kinder (also manche) und ich liebe es, sie dabei zu beobachten. Ich liebe die Zeit mit ihr. Es fühlt sich alles perfekt an. Aber es fühlt sich auch an, als ob die Zeit bald vorbei ist. Die MiniBaby Zeit haben wir längst hinter uns gelassen und es fehlt nicht mehr viel, dann ist auch die Babyzeit vorbei. Ich bekomme sie nicht wieder. Und niemals in meinem Leben hatte ich das Gefühl, als ob es das schlimmste ist, was passiert, wenn man älter wird. Wenn man weiter voran schreitet. Ich will einfach die Zeit anhalten.
Vielleicht denkt jetzt jemand, dann bekomm doch noch ein Baby. Aber so einfach ist das nicht. Mein MiniToffi wird dennoch größer.

Ich bin sicher, es wird noch mehr schöne Zeit kommen. Vielleicht sogar noch schöner, als jetzt. Aber ich kann es mir momentan noch nicht vorstellen und darum ist es momentan so schlimm.

Tja, das ist also so der Grund, warum es mir gerade nicht so gut geht. Es schwebt eine Traurigkeit über mir. Diese Traurigkeit lähmt mich jetzt nicht. Wir haben ganz tolle Tage und ich genieße jeden einzelnen Tag. Aber sie ist halt da und ich wünschte, sie wäre es nicht.


Montag, 22. Mai 2017

Brief an mein Mäuschen (8 Monate)

Meine Maus,

ich muss diesen Brief mit einem Ereignis von gestern Abend anfangen. Ich konnte kaum glauben, wie du da in unserem Bett lagst, als ich schlafen gehen wollte. Auf dem Bauch, Kopf auf dem Arm abgelegt. Genauso wie ich. Es macht mir wirklich etwas zu schaffen, dass du so augenscheinlich gar nichts von mir hast. Aber da ging mein Herz auf.
Auch habe ich ja das Gefühl, du vermisst mich nicht wirklich, wenn ich mal nicht da bin. So wie am Freitag. Da musste ich dich und deinen Papa eine ganze Nacht und einen ganzen Tag alleine lassen und so richtig gefehlt habe ich dir nicht. Es ist wirklich sehr schön zu sehen, wie wohl du dich bei Papa fühlst, aber ich verbringe doch 24h mit dir. 7 Tage die Woche. Hach ja.

Falls dir später deine Freundin mal erzählt, dass sie ja schon mit x Monaten bei Oma geschlafen hat und du ja nicht, dann nimm dir das bitte nicht zu Herzen. Es ist weder schlimm, noch besonders toll so früh außer Haus zu schlafen. Es ist wie es ist. Ich bin einfach gerne mit dir zusammen. Ich habe nicht das Bedürfnis dich irgendwem zu geben. Ich möchte die Zeit, meine Elternzeit, mit dir verbringen.
Das ist übrigens auch nichts, was ich bewußt entschieden habe, sondern was einfach so passiert ist. Ich liebe die Zeit mit dir so sehr, dass ich sie gerne mit dir verbringe. Falls dein Papa dir jetzt erzählt, dass ich dir öfters gedroht habe, dich in die Babyklappe zu bringen, dann stimmt das zwar, aber er hat immer recht, ich hätte das nie gemacht.

Manche Tage mit dir sind anstrengend. Manchmal bist du einfach motzig, weil du nicht voran kommst, aber gerne würdest. Manchmal bin ich einfach müde. Die TAGE sind anstrengend, aber du bist und warst nie ein anstrengendes Baby. Du bist ein Baby. Das süßeste Baby der ganzen Welt. Aber du bist wirklich kein anstrengendes Baby.

Aber wo wir schon dabei sind. Dieses Durchschlafen. Wir hatten da schon mal drüber gesprochen. Vielleicht hätten wir das auch nicht machen sollen, denn seit c.a. 3 Wochen willst du abends auch nicht mehr einfach so einschlafen. Du rödelst durch das Bett, dass wir immer das Gefühl haben, du machst dich bewußt wieder wach. Auch deine Schlafenszeit ist nicht mehr 18:30, sondern eher 19:00. Ich hatte ja die Wage Hoffnung, dass du morgens auch eine halbe Stunde länger schläfst, aber das ist nicht so. Du wachst zwar nicht immer zur kleinen Zeit auf, aber sehr oft früher, als wir das toll finden. Oft um 5:00, aber auch manchmal 6:30. Wenn du halb Sieben wach wirst, ist aber auch nicht mehr viel mit im Bett rumliegen. Dann willst du raus. Was erleben. Den Tag starten.
Im Bett liegen ist auch sehr übertrieben. Meist steht der Papa auf, ich stelle mich schlafend und du schiebst dich durchs Bett und guckst dir unsere Tapete an. Die ist etwas, was dich fasziniert. Sie besteht zwar nur aus Kreisen, aber die magst du total gerne. Emmi erzählst du nicht mehr so häufig von deiner Nacht, aber wenn sie dir in deiner Tour im Bett begegnet, dann wird sie überschwänglich geknutscht. Das ist immer wieder so schön zu sehen.

Wir vermuten übrigens, dass deine Unruhe von den Krabbelversuchen stammen. Denn Anfang des Monats hast du tatsächlich 9h ohne Flasche ausgehalten. Leider hatten wir davon nix, da du diese Stunden ab 18:00 gestartet hattest. Naja, aber zu wissen, dass du echt 9h durchhalten kannst hat uns schon fasziniert. Deine Oma meinte, dass wir dir doch stattdessen den Nuckel geben sollten, aber ich sage mal so, wenn ich Hunger habe, habe ich Hunger. Da will ich auch nicht an einem Plastik Teil rum lutschen.

Den Versuch die Beine unter den Po zu bekommen hast du die letzten Wochen perfektioniert. Mit 31 Wochen waren es nur die Knie, die sich der Windel genähert haben. Mit 32 Wochen hast du dann die Knie wirklich unter den Po bekommen. Mit 33 ging es dann in die Frosch Stellung und jetzt mit 34 Wochen kannst du den Po hochdrücken und sogar schon mit einer Hand was greifen. Der Papa konnte auch beobachten, dass du die Hand nach vorne gesetzt hast, aber das man dann das Knie nachzieht, um nach vorne zu kommen, hast du ihm noch nicht geglaubt.

An einem Sonntag (7.5) bist du gerobbt. Ansonsten schiebst du dich lieber Rückwärts. Anfang den Monats war es noch ein versehen. Jetzt bist du so pfiffig, dich zu drehen und dann zu schieben wohin du willst. Also du steuerst jetzt den Ort an, wohin du willst. Jetzt war auch der Zeitpunkt, an dem wir Steckdosenschutz gekauft haben. Sicher ist sicher.

Die U5 hatten wir zwar letzten Monat schon, aber ich weiß nicht mehr, ob ich was darüber geschrieben habe. Du bist 68 cm groß und normal schwer. Niemand, wirklich niemand würde denken, dass du 4 Wochen zu früh gekommern bist. Selbst jetzt, am Ende des Monats ist alles wo ich dachte, du seist langsamer als andere, vollkommen verschwunden. Du harrst etwas länger in einem Entwicklungsschritt, als vllt andere, aber das bist du. So bist du. Du willst es erst richtig beherrschen, bevor du was versuchst. Im Pekip können zum Beispiel 4 Babys krabbeln. Wir sind insgesamt 10. Und du bist nun die 5. die sich auf die Knie drückt. Das ist wirklich cool. Andererseits hätte ich auch sehr gerne, dass du länger klein bleibst. Denn, das geht mir alles zu schnell. Und das werde ich hoffentlich heute zum letzten Mal sagen. Ich hasse diesen Satz so sehr, weil er stimmt.

Es geht so schnell. Egal ob wir viel machen oder wenig. Ob die Sonne scheint oder es regnet. Die Tage ziehen nur so an uns vorbei. Ich versuche sie besser anzunehmen und zu akzeptieren, dass es gut so ist, wie es ist. Ach Schatzi, es tut mir so unendlich leid, dass ich so sehr an der MiniBaby Zeit hänge. Du warst so ein süßes, zartes Neugeborenes. Es war eine unbeschreibliche Zeit. Ich konnte mich noch erinnern, wie es war, als du in meinem Bauch warst. Jetzt verblasst das alles sehr. Ich habe auch diese Zeit damals sehr genossen. Wir lagen fast den ganzen Tag auf dem Sofa und haben gekuschelt. Du warst eigentlich immer bei mir, auch wenn du nicht unbedingt Körperkontakt zum Schlafen gebraucht hast. Ich würde diese Zeit sehr gerne nochmal erleben. Mit dir. Keinem anderen. Das Bedürfnis nach einem Geschwisterlichen, war da. Gleich nach der Geburt. Sehr verrückt. Jetzt ist es weg. Aber wer weiß, was kommt. Ich werde nie wieder nie sagen ;-). Aber eins sei dir gesagt, als Einzelkind ist es auch nicht so schlimm. Aber da sprechen wir drüber, wenn du größer bist.

Auf jeden Fall brauchtest du Nähe zum Schlafen in diesem Monat. Anfangs mussten wir um 21:00 spätestens neben dir liegen, sonst warst du wach. Nun ist es so, dass wir dich, für unsere Verhältnisse, lange abends in den Schlaf begleiten müssen. Mal funktioniert Kopf streicheln, mal Beinchen. Manchmal hilft es aber auch, dich ganz fest zu halten, dass du dich nicht immer wach wedelst. Wir testen also gerade, was dir am Besten hilft. Gibt uns etwas Zeit.

Was bei der U5 auch bestätigt wurde, dass du sehr empfindliche Haut hast. Das führte dazu, dass deine Mutti, also ich, deine ganze Kleidung nochmal ohne Waschmittel gespült hat. Und dann Sensitive Waschmittel gekauft hat, weil sonst die Karotte gar nicht raus geht. Zeitgleich haben wir deine Haut mit Mandelöl eingeschmiert und im Gesicht mit Muttermilch und Penaten. Was soll ich sagen, du hast zwar immer noch trockene Stellen und ich werde nie so ganz rausfinden, was denn nun geholfen hat, aber es ist deutlich besser geworden. Ich hoffe sehr, dass es kein Neurodermitis ist.

Bis letzten Freitag, als ich im KH war, war dein Tagschlaf so super. Du hast 1h so ab 8:30 geschlafen und dann so um 12/13 Uhr nochmal für 1-2h. Nachmittags im Kinderwagen und zack, war es ein super Tag. Seit Freitag ist alles anderes. Ich bin echt gespannt, was ich nächsten Monat schreiben werden.

OOOOH und das Beste, was passiert ist, du lachst wenn man dich kitzelt. So richtig, richtig. Ich habe noch kein Video davon gemacht, aber ich muss das dringend nachholen. Wenn es mir schlecht geht, ist das die beste Medizin. Du lachst aus tiefstem Bauch und strahlst mich dabei an. Es ist so so schön. Ich war aber auch schon  etwas übermütig. Als du so als Frosch auf dem Wickeltisch hocktest, habe ich dich unter den Armen gekitzelt und Zack, hast du dir den Kopf angehauen. Ohohoh. Mein Herz. Der Papa sagte, mir tat das mehr weh als dir. Ich hoffe, er hat recht.

Was diesen Monat auch noch passiert ist, du bist offener geworden. Anfangs musstest du erstmal von meinem Schoß beobachten. Jetzt ist es so, dass du auch schon fremde Kinder selbst anfasst. Sehr mutig bist du geworden meine kleine Mausi.

Hach ja, du wirst einfach groß. Im einem Moment drehst du dich einfach mit Schlafsack. Dann schiebst du dich durchs Bett. Dann ist dir der Kinderwagen zu doof und wir müssen mit 34 Wochen zum Buggy umbauen. Dann schläfst du einfach auf dem Bauch ein oder benutzt sogar deine Bettschlange als Kopfkissen. Dann verbringen wir die erste Nacht ohne Papa und du verlagerst deinen Pup auf den Vormittag und wir brauchen nachts keine Windeln mehr zu wechseln. Wir gehen mittlerweile zusammen einkaufen (du in der Manduca), obwohl ich anfangs sage, dass ich das lieber den Papa machen lasse. Du liebst es einfach Dinge zu erleben und da ich einfallslos bin, gehen wir shoppen :-D. Ach ja und du trägst jetzt definitiv 74. Ich vermute stark, dass du diese Größe schnell hinter dir läßt. Bis 7 Wochen hast du 50 getragen, bis 13 Wochen 56, bis 25 Wochen 62 und nun bis 34 Wochen 68. Windeln in Größe 4 trägst du seitdem du 6 Monate bist. Brei gab es auch mit 6 Monaten das erste Mal. Aber ein großer Esser bist du nicht. Egal ob ich dir Stückchen oder Brei anbiete. Stückchen schon mal gar nicht. Milch ist deine erste Wahl. Das ist ok, denn mittlerweile wird es immer mehr an Dingen, die du gerne ißt.  Ich vermute mittlerweile, dass ich deine Zeichen falsch gedeutet habe und bis 7 Monate hätte warten sollen. Nun denn, du wirst mir das bestimmt verzeihen. Wasser trinkst du allerdings richtig gerne.

Mausi, wir haben jetzt noch 3 Monate alleine und dann noch einen Monat mit dem Papa. Dann gehe ich wieder arbeiten. Ich hoffe so sehr, du findest es in der Kita toll. Ich bin mehr als froh, dass 2 deiner Freunde, dort auch hingehen. Ich möchte so sehr, dass du glücklich bist. Ich möchte ein schönes Leben für dich. Ich möchte, dass du alles erreichst, was du dir wünschst.

Mausi, ich werde immer für dich da sein. IMMER. Ich habe dich sehr lieb, mein kleiner Knödel!


Deine Mama

Donnerstag, 11. Mai 2017

Ein Leben ohne Babyschale

Als ich schwanger bei Twitter schrieb, dass wir keine Babyschale haben und auch keine kaufen würden, wurde ich mit unglaublich vielen Fragen konfrontiert, auf die ich nur theoretische Antworten hatte. Wie sollte ich damals schon wissen, ob mein Plan aufging. ICH weiß noch, dass ich auf der CTG Liege lag und versprach, dass ich auf jeden Fall berichten werde, ob es funktioniert und wenn ja wie.

Vorweg muss ich aber sagen, dass wir in zwei Situationen eine Babyschale brauchten und ich sie einmal zum Testen beim Einkaufen dabei hatte. Wie soll ich bitte auch über etwas berichten, was ich gar nicht getestet habe.

Situation 1: Wir brauchten eine Babyschale als wir das Krankenhaus verließen. Nicht etwa, weil es das Krankenhaus verlangte, sondern weil der Sitzverkleinerer für unseren Autositz (Cybex Sirona) noch nicht eingetroffen war. MiniToffi hatte es ja besonders eilig und kam 4 Wochen zu früh. Der Einsatz lag im Briefkasten, als wir nach Hause kamen. Nun denn... . Im Vorfeld wurde ich aber gewarnt, dass es sein kann, dass das KH uns nur gehen läßt, wenn wir eine Babyschale dabei hätten. Nun, es hat niemanden interessiert, wie wir das Krankenhaus verlassen haben. Ich hätte die Kleine auch im Tuch transportieren können. Geplant war übrigens der Transport im Kinderwagen bis zum Auto. Irgendwie hatte ich wohl schon im Gefühl, dass das mit dem Tragen aufgrund der Geburtsverletzungen nicht ganz so gut gehen würde.

Situation 2: Wenn ich schon über "braucht man wirklich eine Babyschale" berichten möchte, dann hielt ich es für Sinnvoll sie auch im Alltag mal zu testen. Ich entschied mich dazu, sie beim Einkaufen zu testen. Der Mann und ich legen unser Baby also in die Schale und ... sie schrie wie am Spieß. Ich weiß bis heute nicht, warum das so war. Aber sobald der Po die Schale berührte, schrie sie. Ich war ja schon wieder bereit, dass Experiment abzubrechen, da schnappte sich der Mann die Schale und packte sie ins Auto. Da wir ja nur die Schale geliehen hatten und nicht die Base, war das anschnallen für mich umständlich. Liegt aber an unserem Auto ;-). Im Supermarkt mussten wir nun zwei Wagen nehmen, da die Schale ja meinen fast ausfüllte. Diesen Wagen, wo man das Baby oben drauf stellte, waren mir nicht geheuer. Auch wenn man die Schale anschnallen kann, im Wagen war mir das Kind lieber. Sie war in der Zwischenzeit zwar eingeschlafen, aber kaum den Laden betreten, fingen die Leute schon an den Kopf in den Wagen zu stecken. Ansicht stört mich das nicht. Zumindest beim Kinderwagen. Hier wurde sie regelrecht wachgeguckt. Als sie die Augen aufmachte, sah man richtig, wie die Kleine überfordert war von dem vielen Licht. Es dauerte nicht lange und sie nöckelte vor sich hin. Bis zu den Kassen fing sie an zu schreien und dann drehte sie richtig auf. Nein, das war kein schöner Einkauf.

Zu Situation 3 möchte ich später kommen.


Warum willst du keine Babyschale?

Meine Freundin hat meinen Patenjungen immer in einer transportiert. Es war eine sehr schwere Ausführung und jedesmal wenn ich den kleinen hatte, habe ich mir fast einen Bruch gehoben. Außerdem ist mir diese Buckelei ins Auto so hängen geblieben. Ich fuhr aber auch Mini. Drei Türen. Sollte man nun auch nicht als Maßstab sehen. Bei der Lieben Emma laß ich vor Jahren schon, dass sie keine Schale hatte und damit prima zurecht kam. Also dachte ich mir, das Geld kannste sparen. (Nein darauf wäre es nicht mehr angekommen und es war auch nicht der Grund. Wir haben wirklich jeden Babykram angeschafft, den man so anschaffen kann. Außer einer Babyschale, einem Laufstall und einer Babybadewanne).

Fahrt ihr kein Auto?

Doch! Und zwar ein sehr schickes, wie ich finde. Aber kein Familienwagen. Wir fahren einen Mercedes CLA. Den Kindersitz hatte ich allerdings schon vorm Auto ausgesucht. Es sollte der Cybex Sirona werden. Da man den zur Seite drehen kann, macht es das Anschnallen des Babys viel einfacher. Außerdem kann er auch vorwärts gerichtet genutzt werden. Wir möchten zwar, dass MiniToffi so lange rückwärts fährt, wie es geht, aber man weiß ja nie. Sie hat diesen Sitz super angenommen. Wir hatten nie wirklich Geschrei im Auto. Wenn sie weinte, dann weil sie nicht in den Schlaf fand, oder Hunger hat. Beides kam sehr selten vor. Also zumindest im Auto. Wir haben zwar ein Kind, was selten weint, aber ab und zu macht sie es dennoch ;-). Sie liebt das Auto fahren in ihrem Sitz. Mittlerweile schaut sie sich auch gerne mal die Gegend an und spielt mit ihrem Spielzeug. Es ist einfach entspannt. Ich denke zwar, dass wir einfach ein Kind haben, was gerne Auto fährt, aber so ein bißchen liegt es vllt auch am Sitz.

Und wie transportiert ihr sie dann?

Im Kinderwagen bzw in der Trage/im Tuch. Bei Ausflügen ließ sie sich leicht schlafend vom Sitz in den Kinderwagen legen. Sie schlief einfach weiter. Wenn wir keinen Kinderwagen dabei hatten, habe ich mich anfangs auf die Rückbank gesetzt und sie in das vorgebundene Tuch gepackt. Dann schlief sie auch sofort weiter. Hier kann ich sagen, dass es schon etwas schwieriger war, auf der Rückbank, in unserem Auto, ein Baby in ein Tagebuch zu packen, dabei auch noch die Jacke anzubehalten und sich nicht zu stoßen. MiniToffi ist im September geboren und wir haben das den ganzen Winter so gehandhabt. Gott sei dank ist das Wetter nun schöner. Ich kann mir momentan die Manduca vorm Auto umschnallen und nehme dann das Baby vom Sitz in die Trage. Keine Jacken mehr, keine Kopf Gestoße. Aber hey, ich wollte das Auto, also war das auch vollkommen ok für mich.

Was macht ihr, wenn sie im Auto eingeschlafen ist?

Anfangs, als MiniBaby konnte ich sie ins Tuch nehmen ohne das sie aufwachte. Mittlerweile sitzen wir aber im Auto und warten, dass sie wach wird. Meist dauert es nicht lange. Kaum steht das Auto wacht sie eigentlich auch auf. Ich kann leider nicht sagen, ob sie in einer Babyschale weiter geschlafen hätte, aber ich vermute fast nicht. Es ist auch so, dass sie aufwacht, sobald der Kinderwagen anhält.

Was machst du beim Babyschwimmen?

Ich mag schwimmen nicht sonderlich, darum wollte ich auch nie Babyschwimmen machen. Wird hier auch momentan gar nicht angeboten, darum muss ich mir auch keine Gedanken drum machen. Eine Freundin sagte mir,  dass es aber auch mit Babyschale ein großer Akt ist. Wie gesagt, ich kann dazu nichts sagen. Der Mann und ich wollen bald mal schwimmen gehen. Vielleicht versuche ich einfach mal zu testen, was ich machen würde, wenn ich alleine bin.

Was machst du beim Einkaufen?

Damals war meine Antwort: Der Mann kauf hier ein und ich will das auch gar nicht ändern. Bis vor 3 Wochen stimmte das sogar. Aber mittlerweile ist mein Baby so groß (buhuuuu), dass sie was erleben will. Also bin ich aus purer Verzweiflung einkaufen gefahren. Ich nehme die Kleine dann in die Manduca und  sie findet es so spannend. Wenn es ihr aber dann doch zu viel wird, dreht sie den Kopf einfach zu meiner Brust und schläft eine Runde. Ich habe es sogar geschafft mit ihr in der Trage eine Palette Milch unter den Einkaufswagen zu bekommen und eine Kiste Bier in den Einkaufswagen. Ich würde sagen, mein Beckenboden ist fast wieder der Alte - Tschaika! (Den Mann schicke ich übrigens auch mit Baby einkaufen. Er selbst hat sich die Ergobaby geliehen und ... naja, liebt es wäre übertrieben. Es ist anstrengend, keine Frage.

Was machst du bei Arztbesuchen?

Ich gehe meist mit dem Kinderwagen zu den Ärzten. Unsere Kinderärztin ist c.a. 20 Minuten von uns entfernt. Da lege ich die Kleine einfach in den Wagen und zwitscher los. Es gibt dort einen Aufzug und man kommt ganz locker in die Praxisräume. Der Wartebereich gleicht zwar oft einer Ausstellung an Kinderwagen, aber bis jetzt hat noch jeder seinen Platz gefunden. Der Kinderwagen kann sogar mit in den Behandlungsraum genommen werden, was es sehr praktisch macht, wenn ich mal wieder alleine dort bin. (Oft schleppe ich aber den Mann mit. Irgendwer muss mich ja auch trösten, wenn ich weine, weil das Baby weint.)

Was machst du beim Frauenarzt?

Der erste Termin war gleich nach dem Krankenhaus, weil ich Schmerzmittel brauchte. Hätte ich alleine fahren können, hätte ich die beiden zu Hause gelassen. So haben sie im Auto gewartet. Leider war das auch bei der Nachsorge der Fall. Es dauerte jetzt etwas bis ich wieder Autofahren konnte. Vor einer Woche war ich dann zur Routineuntersuchung. Ich hatte einfach das Baby auf der Hüfte und eine Decke mit. Vorher hatte ich die Versicherten Karte schon in die Hosentasche gesteckt, so brauchte ich nur eine Hand. Im Behandlungsraum hätte ich sie dann auf eine Decke gelegt, aber sie wurde von einer Sprechstundenhilfe einfach entführt. Total süß hat sie sich die kurze Zeit um sie gekümmert <3.

Was machst du bei anderen Ärzten?

Beim Zahnarzt war ich zwar noch nicht, aber da ist auch ein Fahrstuhl. Könnte ich also mitnehmen. Beim Hausarzt könnte ich sie auch mitnehmen. Da muss ich zwar mit dem Auto hin, aber der Parkplatz ist direkt davor. Ich muss keine Stufen steigen und hinlegen könnte ich sie auch. ABER da will ich sie nicht mit hinnehmen. Immer wenn es geht, lasse ich sie lieber beim Papa. Ich versuche die Termine so zu legen, dass er auch da ist. Vor kurzem hatte ich einen Termin beim Hautarzt. Er ist einfach etwas später zur Arbeit gegangen. Dabei kam aber raus, dass mir ein Leberfleck weggeschnitten werden muss. Zu einer OP könnte ich die kleine eh nicht mitnehmen, also musste wer aufpassen. Zwei Wochen später musste die Fäden gezogen werden. Anstatt den Montag, wollte ich, dass sie schon am Donnerstag gezogen werden. Der Mann war da und nahm die Kleine. Tja, was soll ich sagen, machen sie nicht. Genau 2 Wochen, aber nicht eher. Da stand ich nun vor einem Problem. In der Woche war der Mann nicht nicht da. Lustigerweise auch kein anderer, also musste sie mit. Diese Praxis ist die einzige, die man nicht mit Kinderwagen erreicht. Ich frage mich, was die ganzen Rollstuhlfahrer machen.... ? Ich hätte den Wagen vor der Tür stehen lassen können und sie dann mit hochnehmen, ABER in dem OP kann ich sie nicht ablegen. Es kam zu Situation 3. Ich nahm das Kind in der Babyschale mit zu dem Termin. Es war eine ganze schöne Schlepperei. Alternative wäre gewesen zu warten bis jemand auf passen konnte, aber ich Schisser hatte Angst, dass die Fäden einwachsen oder sowas.

Was machst du, wenn du Freunde besuchst?

Da muss ich immer noch etwas schmunzeln. Ich hatte mir überlegt, dass ich mir noch eine Wippe zulege, in die ich sie dann reinlege. Ich wurde gefragt, wie ich mir das vorstelle. Das alles zu schleppen. Mit Baby auf dem Arm. Ich musste dann Lachen, weil ich doch hoffte, dass meine Freunde jetzt nicht am Fenster stehen und mir Packesel zugucken, während ich versuche, das alles zu schleppen. Und am Ende war es so, dass ich die paar Male, als ich ich die Wippe mitschleppte, immer erst alles andere ins Haus trug und dann das Baby holte. Mittlerweile nehme ich die kleine und die Wickeltasche und das war es. Sie schiebt sich eh über den Boden, da hat sich eine Krabbeldecke nun echt erledigt. Ich kenne nun ja auch ihre Schlafenszeit, darum fahre ich erst los, wenn sie geschlafen hat. So muss ich sie nicht wecken.

Was mir noch wichtig ist. Ich habe hier das Rad nicht neu erfunden! Ich hatte lediglich damals gesagt, ich werde von MEINEN Erfahrungen berichte und das mache ich hiermit ;-). Ich vermisse die Babyschale nicht wirklich. Und vielleicht habt ihr ja Ideen, was ich in meinem Hautarzt Fall hätte machen können :-D.

Angekommen....

Oh Gott! Wieder so eine Frau. Kaum ist sie Mutter geworden schreibt sie was vom Sinn des Lebens oder vollständig zu sein oder blablabla.... .

Jepp, könnte ich :-D. Mache ich aber nicht. Vielleicht trifft "angekommen" gar nicht das, worauf ich hinaus will. Das ich glücklich bin, also so wirklich, schrieb ich ja schon mal. Worauf ich aber hinaus will ist folgendes:

Anfang 20 hatte ich einen Freund. Es war klar, wir bekommen Kinder (oder nur eins? Ich weiß es nicht mehr). Mit 27 wollte ich Mutter sein. Ich wollte schnell wieder arbeiten gehen und Karriere machen. Ich hatte diese Vorstellung von mir, dass ich mit Kostümchen, hohen Hacken, einer feschen blonden Kurzhaar Frisur, einem Coffee-to go Becher und meinem Blackberry jongliere und Termine koordiniere. Morgens das Kind in die Kita bringe und dann in Windeseile ins Büro sause, weil ich ja so richtig wichtig bin. Natürlich gehörte zu dieser Vorstellung auch eine loftartige Wohnung und ein schickes Auto. Ist klar, oder?

Der Freund ging, ein anderer kam. Dieser sagte mir nun, dass er mit MIR schon mal keine Kinder haben möchte, denn ich würde eine schlimme Mutter werden. Ich glaubte es. Führte dazu, dass ich in meiner Vorstellung zwar immer noch auf hohen Hacken rumlief, aber ich hatte keine Kinder mehr an der Hand.

Dieser Freund ging dann auch und es folgte lange Zeit keiner. Ich versuchte weiterhin auf hohen Hacken meinem Idealbild von mir nachzueifern. Sehr lange. Dieses Bild hatte sich so unglaublich tief in mein Hirn gegraben.

Nun denn. Es trat der Mann in mein Leben. An meinem 30 Geburtstag hat er mir gesagt, dass er sich in mich verliebt hat. Ab da begann sich mein Leben schleichend zu ändern. Aus den blonden kurzen Haaren wurde lange braune. Oder dunkelblond. Ich bin mir nicht sicher, was die Farbe angeht. Ich weiß nur, dass sie seit geraumer Zeit grau werden. Pfffff. Die hohen Hacken wichen sehr schnell flachen Schuhen. Das Kostüm gab es nie, aber schicke war ich irgendwie. Dann wurde die Jeans und ein T-Shirt zu meinem "Kostüm". Selbst diese Veränderungen sind so schleichend passiert, dass es mir nicht auffiel. Besagte Karriere gab es zwar nie, aber der Druck, den ich mir selbst machte, genau diese zu erreichen.

Als ich schwanger wurde, war ich davon überzeugt wieder Vollzeit arbeiten zu gehen. Auch sollte der Papa so viele Monate zu Hause bleiben, wie es nur geht. Ich wollte schnell wieder an besagter Karriere basteln. Auch die Geburt und die ersten Monate änderten noch nichts an diesem Gedanken. Bis ich dann am 07.03. (ich merke mir sowas komischerweise immer) spazieren ging. Ich hatte gerade der Firma bestätigt, dass ich Vollzeit wieder komme. Aber irgendwas stimmte nicht. Ich fühlte mich unwohl. Und während ich so vor mich hin grübelte (ich hoffe immer, dass ich dabei keine Selbstgespräche führe), wurde mir klar, dass ich wirklich jahrelang etwas versuchte zu erreichen, was mich gar nicht glücklich macht. Was ich gar nicht bin. Ich bin nicht die Business Frau, die es schafft Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Ich bin nicht diejenige, die mit Kaffeebecher in der einen Hand und (mittlerweile) iPhone in der anderen versucht Termine zu koordinieren. Die im Büro am besten noch eine Führungsposition hat. Das bin ich alles nicht.

Ich bin Toffi, die zukünftig mit ihrem Kaffeebecher zur Firma geht und einfach arbeitet. Die um 12:00 Feierabend machen, wird um ihre Tochter aus der Kita abzuholen. Die sich nicht umziehen muss, wenn sie dann auf den Spielplatz geht, weil sie eh Jeans und T-Shirt anhaben wird. Die nicht mehr verbissen versucht irgendwas zu erzwingen, was sie gar nicht ist.

Das ganze hört sich wirklich bizarr an. Wie kann man so lange nicht merken, dass man nicht derjenige  ist, der man versucht zu sein? Wieso denkt man, dass man unbedingt Karriere machen muss? Spätestens wenn es Job mäßig so hin und her geht, wie bei mir, könnte man ja drauf kommen, dass da irgendwas schief läuft. Aber nein. Ich hatte so eine feste Vorstellung von mir, wie ich zu sein habe, dass ich nicht drauf kam.

Die Firma hatte nun "nur" einen Halbtagsjob für mich. Einen wirklich, wirklich guten. Nach nur 3 Wochen suchen. Was hat man in dieser Firma schon alles gesucht für mich. Es hat immer ewig gedauert. Und nun so schnell? Ich hatte Tränen in den Augen, als man mich anrief. Es war, als fiele ein großer Stein von meinen Schultern.

Ich weiß nicht, was in 2 Jahren ist. Ich weiß auch nicht, was in 10 Jahren ist. Hey, vielleicht passen mir Kostümchen irgendwann. Jetzt gerade sind sie viel zu eng für mich.