Freitag, 30. Dezember 2016

2016



Ich habe das Gefühl, man erwartet von mir, dass es das schönste Jahr meines Lebens war. Ist ein wenig viel verlangt von einem ganzen Jahr. 365 Tage und jeder einzelne sollte total schön gewesen sein?

Ich beichte euch mal was. Nicht mal die Geburt meiner Tochter war der schönste Tag meines Lebens. Der schönste Tag meines bisherigen Lebens war der 06. Oktober 2015. Wir sind durch San Francisco gelaufen und kamen auf einen Platz, auf dem Musik gemacht wurde. In dem Moment geschah es, mir liefen die Tränen über die Wangen. Ich erkannte, dass ich mit jeder Faser meines Körpers glücklich war. Unbeschwert. Ich war so dankbar diesen Urlaub erlebt zu haben. Jeder Tag war ein Abenteuer. Jeder Tag lehrte mich mehr über mich. Was ich kann, was ich will.
Dieses Gefühl habe ich mir bewahrt. Nicht immer präsent, aber abrufbar.

2016 war geprägt von einem kleinen Menschen, der mich nun für den Rest meines Lebens begleiten wird. Der mich viel lehrte, aber auch viele Tränen kostet.

Im Januar wurde ich schwanger. Manchmal fühle ich mich schuldig. Ich hatte nie lange darauf warten müssen. Ich wurde quasi gleich schwanger. Ich weiß nicht wie es ist, auf ein Baby zu warten. Ich bin auch keine Frau, die immer wusste, dass sie unbedingt Mutter werden wollte. MiniToffi wusste das und machte sich lieber sofort auf den Weg.

Im Februar machte ich einen Test, der mir bestätigte, was ich schon wusste. Für einen kurzen Augenblick war ich so glücklich. So voller Freude. Leider kam diese Übelkeit über mich. Eine furchtbare Übelkeit. Ich sagte mir sehr oft, dass es hätte schlimmer kommen können. Aber mal ehrlich, das kann es immer.

Im März kamen auch noch Blutungen dazu. Übelkeit, Blutungen. Ich wollte nicht mehr schwanger sein. Es war schlimm.

Im April haben wir die Nachricht bekommen, dass das Baby gesund ist. Die Übelkeit ließ nach und auch die Blutungen. Dafür hatte ich mit den körperlichen Veränderungen zu tun. Ich wollte, meinen Körper behalten. Auch wenn man es vorher weiß, es ist dennoch was anderes, wenn es passiert. Ich nahm furchtbar schnell viel zu. Durch die Übelkeit habe ich keinen Sport mehr gemacht und habe mich sehr, sehr schlecht ernährt. (Das war auch schlimm. Ich wollte meinem Baby was Gutes tun und bekam nix Gesundes runter)

Im Mai hatten wir sehr viele Feiertage, was mich die Arbeitstage überstehen lies. Mein Rücken machte schlapp. Sport? Ja ne.

Im Juni war dann Schicht im Schacht. Ich konnte nicht mehr. Ich konnte die Schwangerschaft nicht genießen. Mein Körper wollte nicht schwanger sein. Mein Baby ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Kleine Rödelqueen. Ich war fertig.

Im Juli bekam ich ein BV und ich fand jemanden, der mir endlich helfen konnte. Mein Becken öffnete sich nicht. Es war, als ob man sich einen Medizinball in einen zu kleinen Kasten quetschen will. Dann kam der Osteopath. Ab da wurde es schön. Der Juli war mein Schwangerschaftsmonat. Zumindest hätte er es werden können. Aber erinnert ihr euch? Es war furchtbar heiß. Ich konnte nicht mehr. Ich bekam keine Luft. Ich wusste nicht, wohin mit mir.

Im August wurde es erst wieder besser. Ich machte wunderschöne Fotos von mir und meinem Bauch. Den Bauch fand ich auf einmal so schön, dass ich ihn gerne präsentierte. Auch wenn ich immer das Gefühl hatte, er war riesig. Naja, ich näherte mich dem Zustand der Endschwangeren. Alles wurde sehr schwerfällig. Dazu der innere Drang, das Haus staubfrei zu bekommen. Aber alles in allem war der August sehr schön.

Der September macht mich nun nachdenklich. Ich wollte ein Septemberbaby. Erster Versuch also im Dezember. Ich war so davon überzeugt, dass es gleich klappt... . Naja, es klappte nicht. Aber damals war ich überzeugt, dass ich ein September Baby bekomme, welches am Geburtstag meiner Oma zur Welt kommt. Als das nun nicht klappte und der ET im Oktober lag, wusste ich dennoch: MEIN Baby kommt früher. Ich dachte an den 10.10. Das ist der Hochzeitstag meiner Großeltern. Aber im Laufe der Zeit schoss ich mich aber auf den 13.10 ein. Als dann am 21.09 meine Blase platze musste ich nach dem ersten Schock lachen. Mein Baby kommt also am 22.09 zur Welt. Teilt sich den Geburtstag mit der Uroma.
29h Geburt, 13h Wehen. Ich war fix und alle und war sehr dankbar, dass der Arzt mir bei der Geburt half. MiniToffi ist also mit der Zange auf die Welt gekommen. Sie hatte die Nabelschnur fest umwickelt und war ein Sternengucker. Ich habe es nicht geschafft, sie ... ähm alleine rauszudrücken. Das ist etwas, was ich nicht schlimm finde. Nein, die Geburt ist nicht der schönste Tag in meinem Leben, aber er ist der Tag, an dem ich über mich selbst gewachsen bin. ICH hatte eine natürliche Geburt (wer jetzt kleinlich wird behält es bitte für sich). Ich wollte einen Kaiserschnitt, weil ich so furchtbare Angst vor den Wehen hatte. Ich muss schon wieder schmunzeln. Die Wehen waren nicht schmerzhaft. Also bis auf die Letzten. Aber ansonsten waren die Wehen nicht schmerzhaft. Sie haben all meine Konzentration und Kraft gekostet. Sie kamen wie Wellen. Ich habe mich von ihnen treiben lassen. Eine PDA hatte ich nicht, aber Schmerzmittel. Dadurch, dass die Wehen angekurbelt werden mussten, erwischten mich die ersten „richtigen“ Wehen sehr stark. Nach der Geburt war ich wieder ich. Ich war wehleidig und fand es ganz schlimm, so verletzt zu sein.

Der Oktober stand voll unter der Überschrift „Wochenbett“. Wenn ich hierzu was schreibe, mache ich das mal in einem eigenen Post. Der Monat stand aber auch unter dem „mir fehlen 4 Wochen“ Stern. Ich habe so sehr damit zu kämpfen. Immer noch! Ich bin auf jede Schwangere sehr neidisch, die diese Wochen erleben darf. Bis heute fehlen sie mir und ich ertappe mich sehr oft, wie ich zu mir sagte, dass ich sie zurück will.

Der November steht für schnelle Veränderungen. Im November hatte sie plötzlich eine andere Kleidergröße, war wacher, lachte und selbst der MiniPöppes wuchs. Ich war traurig. Ich wollte sie nicht so schnell wachsen sehen. Hach ja, fiesen Hormone.

Der Dezember ... Ich dachte, ich könnte die Weihnachtszeit genießen. Ich bin schließlich zu Hause. Nix konnte ich. Die Zeit raste. Ich war mit Geschenken wie immer zu spät und dazu kam die Einfallslosigkeit.

Joa und nun sitze ich hier. Jeder wird sich fragen: Und was ist mit dem Baby? Das muss doch alles wieder schön machen!

Das Baby ist das tollste und schönste Baby überhaupt. Sie ist meine Tochter. ICH habe eine Tochter. Diese Tochter schläft gerade an meiner Brust in einem Tuch. Ihr Atem pustet über meine Haut. Ihre kleinen Hände liegen auf meinem Dekolleté. Ihr Lächeln haut mich um. Sie hat dieses Jahr nicht besser und nicht schlechter gemacht.

Sie hat mein Leben verändert. Sie hat mich verändert.

Ich werde nie wieder die Alte und das ist gut so.

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