Donnerstag, 29. September 2016

Mein Mäuschen, mein Mausi,



ich stehe hier am Fenster und schaue auf den Parkplatz. Der Parkplatz über den ich noch vor einigen Tagen als Schwangere gegangen bin. Immer wieder musste ich innehalten. Musste meine Hand auf meinen Bauch legen und fühlen, wie du deinen Weg findest. Ich war fest entschlossen auf meinen Körper zu hören. Auf dich zu hören. Deinen Papa immer an meiner Seite. Wir drei schaffen das!

Über Stunden war ich in meiner Welt. Habe dir entgegen geatmet. Habe dich herbei gesehnt. Immer wieder habe ich dein kleines Gesicht gesehen. Es war mein Gesicht als Baby. Deine Haare. Deine Fingerchen, die meinen so ähnlich sind. Von deinem Papa wirst du auch ganz viel haben, aber so habe ich mich dich vorgestellt. Du kleiner Dickkopf. Hast deine Mama nicht noch ein wenig Zeit mit dir gegönnt. Du wolltest alle kennenlernen. Du willst die Welt entdecken. Das darfst du Maus. Das du nun die Blase aufgekratzt hast, wundert mich nicht. Alles andere hätte dir bestimmt zu lange gedauert. Leider war mein Körper überfordert. Ich wollte dich doch noch nicht gehen lassen. Ich wußte, dir geht es gut. Egal was die Ärzte sagen. Ich habe dich gespürt. Ich hätte Angst sagten sie. Nein, ich war in meiner Welt. Angst spürte ich nicht.

Ich wurde nur überrumpelt. Mein Körper brauchte mehr Zeit als wir hatten. Wir brauchten etwas Hilfe meine Maus. Das ist nicht schlimm. Wir haben sowas vorher noch nie gemacht. Da ist es nicht schlimm von jemanden Hilfe zu bekommen, der das Tag täglich macht. Du hast dir als erstes auch lieber die Sterne angeschaut. Du machst es deiner Mama nicht leicht. Als ich dich dann fassen wollte warst du weg. Deine Nabelschnur war zu kurz, darum bist du auch immer wieder in Mamas Bauch verschwunden. Es sagte mir Gott sei dank niemand, dass wir noch schneller getrennt wurden, als ich wollte. Nicht mal Papa durfte uns trennen. Aber eigentlich trennt uns drei ja sowieso keiner mehr. Wir gehören zusammen.

Da siehst du, der Papa biegt auf den Parkplatz. Er kommt zu uns zurück, das macht er immer so. Er lässt uns nicht alleine. Jetzt bringt er uns nach Hause. Ein letzter Blick schweift über diesen Parkplatz. Ein neues Leben, dass das eigene so auf den Kopf stellt.

Meine wunderschöne Tochter, mein Mann, meine Familie

Deine Mama

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