Montag, 11. April 2016

Die Anderen und ich


Also ICH hatte ein Traumschwangerschaft“,
„ICH hatte gar keine Beschwerden gehabt“,
„ICH habe die Zeit einfach genossen.“
"ICH hatte DAMALS..."
Von Frauen, die schon wesentlich länger Mütter sind, kamen auch Sätze wie
„Ach stell dich nicht so an“.
Nicht in dem Wortlaut. Ich habe es nur so zusammengefasst.


Diese Sätze sind alle nicht böse gemeint. Das weiß ich. Aber sie haben etwas hinterlassen.
Nein, ICH habe mir das alles anders vorgestellt. Ich habe nur Freundinnen, die keinerlei Beschwerden hatten. Oder haben sie nicht drüber gesprochen? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass es mir nicht gut ging. Als ich den ersten positiven Test in den Händen hielt, war ich voller Freude. Glückshormone nennt man das wohl. Leider haben die sich ganz schnell verkrümelt. Zurück blieben Angst, Übelkeit und ein Körper, der einfach nicht mehr meiner war.
Natürlich wusste ich, dass es nicht immer toll sein wird, aber hierauf war ich irgendwie nicht vorbereitet. Nein, ich habe nicht 5 mal am Tag über der Kloschüssel gehangen oder lag im Krankenhaus. Ich weiß, dass es vielen Frauen schlimmer geht. Aber ich gehöre auch zu den Frauen, die einen Männerschnupfen bekommen.
Die Sätze der anderen halten also lange in meinem Ohr. <<Liegt es an mir? Stelle ich mich an?>>
Aber es war, wie es war. Ich konnte es nicht ändern. In den ersten Wochen hatte ich unglaubliche Angst. Dazu kam, dass ich mich nicht mehr vernünftig ernähren konnte. Es war nicht mehr 80:20. Noch nicht mal 20:80. Ich habe nur ungesundes gegessen. Gerade wenn das Baby doch wächst. Ich wollte mich gut ernähren. Ich hatte mir das anders vorgestellt. Und das allerschlimmste, ich hatte zwar total den Hunger auf ungesundes, aber danach war mir richtig Übel. Noch schlimmer, als es mir eh schon 24h am Tag ging. Die Müdigkeit war nicht schlimm. Denn wenn ich schlief, war mir wenigstens nicht übel. Der Urlaub, der ein Wanderurlaub sein sollte, war für mich eine Katastrophe. Ich fühlte mich schlapp, müde und hatte nur ständig Hunger. Der Urlaub war fast teuerer als die USA, weil wir ständig irgendwo gegessen haben. dementsprechend nahm ich schnell zu. Wieder etwas, mit dem ich nicht klar kam. Ich hatte keinerlei Kontrolle über meinen Körper. Ich hatte keinen Bezug zum Baby. Ständig las ich von glücklichen schwangeren, die das Baby herbei sehnten. Und dann ich. Ich fühlte nix. Nix außer „ich will meinen Körper zurück“. Aber reden konnte ich darüber nicht. Ich hatte Angst. Dieses Gefühl darf man ja nicht haben. Dieses Baby war gewünscht! Es war geplant! Und dann freute ich mich nicht? Aber nein, ich freute mich nicht. Ich war nicht fit. Ich fühlte mich nur schlecht. Körperlich und seelisch. Man riet mir zu einer Hebamme. Aber diesen Schritt konnte ich nicht gehen. Das Baby konnte mich ja noch verlassen. Dann stände ich da. Ich fasste allen Mut zusammen und schrieb meiner Freundin von meinem Problemen. Sie riet mir nichts. Sie meldete sich nicht. Ich dachte, ich wäre die schlimmste Schwangere auf diesem Planeten. Mit dem Mann konnte ich nicht so reden. Ich wollte ihm seine Freude nicht verderben. Am nächsten Tag bekam ich eine sehr lange Nachricht von meiner Freundin. Danach ging es mir besser. Es zu erzählen tat gut. Natürlich sollte man sich nicht an Vorstellungen festbeißen. Aber mal ehrlich, wir haben doch alle Vorstellungen, wie etwas sein sollte. Und dann ist es komplett anderes.
Heute habe ich immer noch Angst. Immer noch habe ich nicht diese besondere Beziehung zu meinem Baby, wie ich sie bei anderen so oft lese. Immer noch habe ich Probleme damit, dass ich nicht so fit bin, wie ich es gerne wäre. Immer noch habe ich Probleme, dass ich mich zwischen Hausarbeit und Sport entscheiden muss, weil mir die Kraft fehlt. Aber ich fange an zu akzeptieren, dass ich nicht mehr die bin, die ich mal war. Aber wer ich sein werde, das muss ich noch raus finden.

[Ich bin mir nicht sicher, wann ich diesen Bericht geschrieben habe. Die Mail an die Freundin war vor unserem Urlaub. Ich gehe davon aus, dass es vor dem bezahltem Ultraschall war, darum veröffentliche ich in für den heutigen Tag]

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